Berufsbedingte Allergien

Informationen zum Thema berufsbedingte Allergien

Eine Allergie bezeichnet die krankmachende Überempfindlichkeit gegen bestimmte Stoffe. Im medizinischen Sinne liegt ihr eine sog. Antigen-Antikörper-Reaktion, also eine spezifische Reaktion des körpereigenen, erworbenen Abwehrsystems zugrunde. Das Immunsystem des Allergikers ist nicht in der Lage, zwischen schädlichen und unschädlichen Stoffen zu unterscheiden. So können auch ganz natürliche Substanzen wie Gräser oder Milch zu einer überschießenden Abwehrreaktion führen. Prinzipiell können Allergien jedoch von nahezu allen Stoffen ausgelöst werden.

Etwa jeder 5. Deutsche leidet unter einer allergischen Erkrankung. Rund ein Drittel davon ist beruflich bedingt!

Kommt es zur Ausbildung einer allergischen Erkrankung durch bestimmte Substanzen, mit denen ein Beschäftigter während der Ausübung seiner Arbeit verstärkt in Kontakt gerät, spricht man von einer berufsbedingten Allergie. Allergien am Arbeitsplatz sind unangenehm und können die Gesundheit nachhaltig schädigen. Zudem werden nicht selten Medikamente eingenommen, die zum Teil starke Nebenwirkungen wie z. B. Müdigkeit haben und damit die Leistungsfähigkeit nicht unerheblich beeinträchtigen.

Bestimmte Anzeichen erhärten den Verdacht auf eine berufsbedingte Allergie:

  • Die Symptome treten v.a. während der Arbeit auf, verschwinden jedoch nach Feierabend, am Wochenende oder im Urlaub.
  • Behandlungen sind nur kurzfristig erfolgreich
  • Die allergischen Symptome sind auf Haut- bzw. Körperareale begrenzt, die mit den Berufsallergenen in Kontakt kommen (Gesicht, Hände, Atemwege, etc.)

Allergie und Haut

Die meisten beruflich bedingten Allergien in Deutschland betreffen die Haut. Zum überwiegenden Teil handelt es sich dabei um Kontaktekzeme, die sich meist an den Händen äußern. Das sog. akuttoxische Kontaktekzem wird ausgelöst durch die direkte Einwirkung von Säuren, Laugen oder anderen aggressiven Chemikalien. Im Gegensatz dazu entsteht das allergische Kontaktekzem durch eine zunächst unbemerkt ablaufende Sensibilisierung gegenüber dem jeweiligen Kontaktallergen. Bei erneutem Kontakt mit der Substanz in einer eigentlich ungiftigen Konzentration kommt es zur Ausbildung des Ekzems. Aufgrund reizungsbedingter Hautschäden verringert sich die Barrierefunktion der Haut, so dass die Allergene leichter eindringen können. In den meisten Fällen bleibt das Ekzem auf den Ort der Allergeneinwirkung beschränkt. Bei fortgesetztem Kontakt kann es sich jedoch auf andere Körperstellen ausbreiten.

Zu den häufigsten Auslösern berufsbedingter Hauterkrankungen gehören Nickel, Epoxidharze, Konservierungsstoffe, Gummi, Kaliumchromat sowie Desinfektionsmittel. Dementsprechend sind bestimmte Berufsgruppen besonders stark betroffen. Zu den hautbelasteten Berufen zählen u.a. Friseure, Bäcker und Konditoren, Maler und Lackierer, Bauarbeiter, Zahntechniker, Kranken- und Altenpfleger, Köche und Fliesenleger.

Allergie und Atemwege

Jährlich werden etwa 1.200 bronchienverengende Atemwegserkrankungen als Berufskrankheit anerkannt. In drei von vier Fällen werden sie durch allergische Prozesse verursacht. Asthma bronchiale führt nach der Inhalation eines Allergens in der sog. Sensibilisierungsphase zu einer vermehrten Bildung von Antikörpern (IgE). Bei einem erneuten Kontakt verursacht die Ausschüttung von Botenstoffen zur Bekämpfung des Allergens eine Zusammenziehung der Bronchien. Folgen sind Schleimhautschwellungen und eine vermehrte Schleimproduktion. Ursache für die sog. exogen allergische Alveolitis sind ebenfalls eingeatmete Allergene. Hierbei lösen organische Stäube eine entzündliche Reaktion aus, die zu einer Sensibilisierung führen. Bei erneutem Einatmen können Entzündungen des Lungengewebes und der kleinsten Bronchien auftreten. Die Symptome ähneln denen einer Grippe und können nach einigen Stunden, aber auch Tage bis Wochen nach dem Allergenkontakt, entstehen. Sie bilden sich rasch zurück, sobald keine Belastung mit dem problematischen Allergen mehr besteht.

Für berufsbedingte allergische Atemwegserkrankungen sind heute rund 250 verschiedene Substanzen bekannt. Dazu gehören u.a. tierische Allergene wie Nutztiere, Vögel, Insekten, Hausstaub- und Vorratsmilben, pflanzliche Allergene wie Mehl, Blumen- und Sträucherpollen, Henna, Rizinus oder Naturlatex sowie biologische Enzyme wie Amylase, Cellulase, Papain, Pankreatin oder Trypsin. Besonders belastet sind Beschäftigte aus den Bereichen Landwirtschaft, Tierzucht und Veterinärwesen, Bäcker, Konditoren, Friseure und Krankenhauspersonal sowie Mitarbeiter in Laboren, pharmazeutischen Unternehmen und Küchenbetrieben.

Allergiker neigen bei beruflicher Belastung dazu, weitere Sensibilisierungen zu entwickeln. Dabei nimmt der Schweregrad der Symptome zu, die Chancen einer erfolgreichen Behandlung nehmen ab!

Arbeitsmedizinische Vorsorge / Therapie

Arbeitnehmer, die Umgang mit allergenen Stoffen haben, sollten unter Berücksichtigung ihrer individuellen Disposition über die Gefährdung und die Möglichkeiten der Prävention gezielt beraten werden. Darüber hinaus lässt sich im Rahmen arbeitsmedizinischer Untersuchungen gezielt beurteilen, ob die am Arbeitsplatz getroffenen technischen und organisatorischen Maßnahmen ausreichend sind. Zudem kann der Betriebsmediziner anhand der diagnostischen Informationen des behandelnden Facharztes relevante Allergenquellen am Arbeitsplatz identifizieren und beurteilen, welche Präventionsmaßnahmen sinnvoll sind. Eine enge Kooperation zwischen Betriebsarzt, behandelndem Arzt und Unfallversicherungsträger ist sinnvoll, um den Arbeitsplatz des betroffenen Beschäftigten erhalten zu können.

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2017-08-21T20:57:47+01:0001.07.2017|News|